Herzlich Willkommen


Herzlich Willkommen im Staudengarten Gross Potrems

Um wirklich glücklich zu sein, brauchst du nur etwas, wofür du dich begeistern kannst.

Hier gibt es die neuesten Informationen aus unserem Staudengarten in Gross Potrems, Landkreis Rostock, Mecklenburg-Vorpommern. Ergänzend dazu können Sie in unserer Website (www.wildstaudenzauber.de) auf mehr als 600 Seiten mit ca. 2000 Bildern unseren Wildstaudengarten kennenlernen. Unter Wildstauden verstehen wir züchterisch kaum veränderte Pflanzen und zwar nicht nur die einheimischen, sondern auch Pflanzen aus Europa, Amerika und Asien. Seit fast 40 Jahren gestalten und pflegen wir unseren naturnahen Staudengarten, in dem der Rasen und die Staudenbeete nach und nach durch Staudenwiesen ersetzt wurden. Auf 1000 m² entstanden langlebige Pflanzengemeinschaften mit etwa 500 verschiedenen Wildstaudenarten und zahlreichen Gräsern.

Unseren Staudengarten können Sie von Juni bis September von 10.00 bis 12.00 und von 15.00 bis 18.00 besuchen. Ich biete Ihnen eine einstündige Führung durch den Garten. Um eine Spende von 5 € pro Person zur Erhaltung des Gartens wird gebeten.
Bitte nur nach Voranmeldung, vorzugsweise per E-Mail (jochen@wildstaudenzauber.de) oder Telefon: 03820813345. Bitte keine Pflanzen mitbringen!

Im Juni 2014 erschien mein Buch "Naturnahe Gartengestaltung mit Wildstauden", das Sie bei der Gesellschaft der Staudenfreunde für 15 € inkl. Versand erwerben können.

Meine Youtube-Videos können sie in der Mitte des Bildes anschalten und danach unten rechts in den Vollbildmodus gehen.
Von 2000 bis 2012 habe ich verschiedene Naturstandorte unserer Stauden besucht. Sie gaben mir zahlreiche Hinweise zur Verwendung der Wildstauden im Garten. Einige Filme sind 15 Jahre alt und deshalb von geringerer Qualität.
Wenn Sie mehr über die gezeigten Pflanzen wissen möchten, gehen Sie bitte zu meiner Website (www.wildstaudenzauber.de).





Donnerstag, 23. November 2017

Meine Welt der Stauden

Christian Kreß
Meine Welt der Stauden. Staudenbeete anlegen, pflegen und verändern. 2017. 224 S., 220 Farbfotos, geb. mit SU. ISBN 978-3-8001-0834-3.,  € 29,90

Hier noch ein weiteres Buch mit einer hohen Potenz als Weihnachtsgeschenk. Es ist endlich mal wieder ein Buch, das wie ein richtiges Buch in der Hand liegt. Nach seltsamen Anglizismen, mal wieder ein Titel, der zeigt, was uns erwartet. Ein Buch für den Staudenfreund, geschrieben von einem, der die Stauden kennt, wie kaum ein anderer, dem Inhaber der Gärtnerei Sarastro-Stauden in Österreich. Ich kenne ihn seit langem durch seine Artikel  in Gartenzeitschriften und seine sehr informativen, monatlichen Rundbriefe, die per Mail bestellt werden können, office@sarastro-stauden.com
Kürzlich konnte ich ihn persönlich erleben, denn er scheut nicht den weiten Weg in den Nordosten Deutschlands um seine vielbeachteten Vorträge zu halten.
Das Buch ist nicht nur äußerlich sehr angenehm, sonder sein Inhalt ist etwas ganz Besonderes, dass sich von einigen anderen Staudenverwendungsbüchern abhebt. Im Buch werden nicht nur des Autors ganz persönliche Lieblingsstauden vorgestellt, sondern  er erzählt uns sehr interessant aus seinem Gärtnerleben, seiner Faszination und Berufung als Staudengärtner. Der Aufbau der Gärtnerei über die Jahre wird sehr informativ beschrieben und auch der Alltag in der Gärtnerei. Dabei verrät er so manchen Tipp und Trick beim Umgang mit Stauden, beginnend bei der Aussaat, über die Stecklingsvermehrung, das Züchten und Selektieren und u. a. auch, wie man mit Stauden bis ins hohe Alter gärtnern kann. Durch weitreichende Kontakte zu Sammlern und Züchtern in aller Welt hat er eine ganz besondere Staudengärtnerei mit vielen Raritäten aufgebaut.
Unter der Überschrift "Neue Kombinationen wagen" meint der Autor "zu einer zeitgemäßen Staudenverwendung gehört das Einbeziehen von ursprünglichen, züchterisch kaum veränderten Staudenarten in Kombination mit herkömmlichen Beetstaudensorten." Der Autor schreibt weiter: "  Für mich wird dies fast schon zur Quintessenz." Dem muss ich widersprechen. Ich habe solche kombinierten Pflanzungen gesehen. Die Wildstauden wuchsen mastig und fielen um oder die Beetstauden wuchsen rückwärts. Die Standort- und Nährstoffansprüche der Beet- und Wildstauden sind doch zu unterschiedlich. In Einzelfällen und in der Vase bilden sie wunderschöne, zauberhafte Kombinationen.
Auf mehr als 50 Seiten erläutert der Autor Pflanzbeispiele für die verschiedensten Standorte. Der Schattengarten, der Kiesgarten und der Steingarten werden ganz besonders hervorgehoben. Während im Vorwort Ruth Wegerer davon spricht, dass der naturnah gestaltete Garten mit seinen Blütenstauden, der Gartenstil des 21. Jahrhunderts ist, fand ich im Buch recht wenig über moderne, naturnahe Staudenverwendung. "New German Style" wird nicht erwähnt. Aber das war sicher gewollt.

Ein sehr spannendes, lehrreiches und ganz besonderes Gartenbuch für Anfänger und Fortgeschrittene.




Sonntag, 19. November 2017

Hier wächst nichts

Jörg Pfenningschmidt, Jonas Reif
Hier wächst nichts. Notizen aus unseren Gärten. 
2017. 192 S., 180 Farbfotos, geb. ISBN 978-3-8186-0000-6. € 19,90
Ein provokanter Titel, wie er nicht anders von den beiden Autoren zu erwarten war. "Hier wächst nichts", da wächst nur die Spannung was jetzt wohl kommt. Auf der ersten Seite kommt: "1517 veröffentlicht Martin Lutter seine 17 Thesen zur Rasenpflege. Seitdem gilt sein Satz "In der Woche zwier, schadet weder ihm noch mir." Nach der ersten Seiten überlegte ich mir, einen Whisky zu trinken um auch alles zu verstehen, was da stand. Das kann ein sehr vergnüglicher Abend werden. Bereits auf Seite 11 unter der Überschrift "Die Besorgten" musste ich zum ersten Mal laut lachen. "Einer Kita hatte man verboten im Außenbereich eine Handpumpe zu installieren. Der Grund: ein Kind könnte gegen die Handpumpe laufen und sich verletzen. Das klingt vernünftig. Denn Handpumpen sind echte Killer. Jedes Jahr prallen Tausende von Kindern gegen harte Handpumpen und ertrinken dann kopfüber in ihren Buddeleimern." Und so geht das weiter durch das ganze Buch aber der Hauptteil ist doch ernsthafter.  Die Quelle so mancher Geschichten sind die Kunden der Gartenplaner. Alle nur erdenklichen Unsinnigkeiten rund um Garten und Gärtner werden auf die Schippe genommen. Unter Anderen geht es gegen Schottergärten, Sichtschutz, Hausmeisterschnitt, neueste Staudensorten und viele andere Streitthemen unter Gartenfreunden. Neben den unterhaltsamen Abschnitten werden auch lehrreiche Themen, wie Züchtung und Auslese, die japanische Gartenkunst und der Kampf gegen den Giersch erläutert.
Wer die Kolumne von Jörg Pfenningschmidt in der "Gartenpraxis" kennt und gern mehr lesen möchte, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Aber auch für alle anderen Gartenbegeisterten eine abwechslungsreiche und erheiternde Unterhaltung in grauen Novembertagen.

Hier noch ein Beispiel zum Sichtschutz. Das sind meine Nachbarn.




Mittwoch, 15. November 2017

Neuanschaffungen 2017

Im November ist nicht mehr viel im Garten zu tun und oft lässt es das Wetter auch nicht mehr zu. Es ist also Zeit, die Bilder des Jahres zu beschriften und gegebenenfalls ins Stauden-ABC der Homepage  aufzunehmen (http://www.wildstaudenzauber.de/Seiten/Stauden_ABC.html).  Jedes Jahr sind da auch immer wieder, auch noch nach 40 Jahren, neue Arten ins ABC einzureihen.
Sammeln ist schon eine große Leidenschaft, die auch vor dem Gartenfreund nicht halt macht. Wahrscheinlich ist es eher der Wissenschaftler als der Künstler in uns, der für das Sammeln entflammt. Wie habe ich mich gefreut, wenn ich eine mir bisher unbekannte Staude, z. B. in einem Buch, einer Zeitschrift oder einem Katalog entdeckt hatte und sie dann im Internet, in einer Staudengärtnerei, auf einem Staudenbasar oder als Samen in der Samentauschaktion der Gesellschaft der Staudenfreunde fand. Wie spannend war es, ihr Wachsen und erstes Blühen zu erleben. So hat sich in mehr als 40 Jahren Einiges angesammelt, aber Manches hat sich auch wieder verabschiedet. Nun möchte man meinen mit der Sammelei sollte mal Schluss sein, und es sollten die Stauden, die sich 100% in unserem Garten bewährt haben, vermehrt werden. Das nehme ich mir jedes Jahr vor. Mitnichten! Und so kommen jährlich neue Pflanzen dazu, aktuell sind es insgesamt 1.100 Arten im Stauden-ABC meiner Homepage. Einige Neuanschaffungen von 2016/2017, möchte ich hier mal vorstellen. Es erstaunt mich immer wieder, dass es auch nach 40 Jahren immer noch Neues zu entdecken gibt. Da fällt mir der Satz von Karl Foerster ein:
"Wenn ich noch einmal auf die Welt komme, werde ich wieder Gärtner, und das nächste Mal auch noch. Denn für ein einziges Leben war dieser Beruf zu groß."

Da ist zum Beispiel die Gattung Heuchera, seit Jahren von mir links liegengelassen, wegen der bunten Aufgeregtheit moderner Sorten, die nicht in meinen Wildstaudengarten passen. Bis ich dann bei Gartenfreunden Heuchera villosa var. macrorrhiza, das kniehohe Purpurglöckchen auch als Samtlaub-Silberglöckchen bezeichnet, entdeckte. Es kommt aus dem Osten der USA und blüht von August bis September im Schatten und Wurzeldruck. Bald schon war es in meinem Garten und hat sich in diesem Jahr sehr gut entwickelt. Man müsste sich viel öfter in fremden Gärten umsehen.

Heuchera villosa var. macrorrhiza



Delphinium semibarbatum, den brusthohen Gelbe Knollen-Rittersporn oder auch Bärtiger Rittersporn genannt, aus den Steppen Zentral-Asiens, habe ich bei Jelitto-Samen entdeckt. Das heißt entdeckt habe ich ihn schon vor 50 Jahren. Während der Studienzeit erhielt ich in den Sommerferien die Einladung meines Cousin, seinen Hof und Garten zu hüten. Ums Haus und auf der Wiese waren große Staudenbeete in voller Blüte. Wegen der geschützten Lage im Wald standen Rittersporntürme in allen Blautönen so hoch und schön, wie ich sie nie wieder sah. Der Duft der zahlreichen Phloxe stand über der Waldlichtung. Dieser Garten war für mich das Paradies, und von da an mein großer Wunschtraum.
Da ich schon damals viel fotografiert habe, gibt es ein Foto mit meinen Eltern und einer Tischdekoration mit Gelbem Rittersporn. Es wäre zu schön, wenn er bei uns problemlos wachsen würde, schließlich wohnen wir nicht in der Steppe Kasachstans. Im Internet wird von sehr unterschiedlichen Erfahrungen berichtet.

                          

Delphinium semibarbatum



Solidago canadensis 'Loysder Crown' und Solidago rigida 'Upright Road' waren eine Empfehlung von Cassian Schmidt in der Gartenpraxis, und schon im ersten Jahr bin ich voll begeistert. Überhaupt hat die Gattung Solidago sicher noch viel zu bieten.

Solidago canadensis 'Loysder Crown'

Solidago rigida 'Upright Road'

Ein schönes Paar im Herbst: Helenium 'Kupferziegel' und Aster macrophyllus 'Twilight'.

Helenium 'Kupferziegel' und Aster macrophyllus 'Twilight'


In der Staudengärtnerei von Ullrike Gürtler in Peckatel (www.staudenschmiede.de/) fand ich Sanguisorba poteriifolia, syn. S. tenuifolia var. purpurea, den brust- bis mannshohen Spätblühenden Wiesenknopf. Er kommt aus Asien, blüht im September und wächst schön gerade im Vergleich zu manch anderem Wiesenknopf.

Sanguisorba poteriifolia

Boehmeria sieboldiana, die mannshohe Chinesische Scheinbrennessel ist eine Blattschmuck-Staude für den Schatten und kommt, wie der Name sagt aus Ost-Asien. Ihre unscheinbaren Blüten sind im Herbst zu sehen. Fundgrube war der Samentauschkatalog der GdS, von wo ich die meisten Neuheiten beziehe.

Boemeria sieboldiana
Aster thomsonii, Thomsons Aster kommt aus dem westlichen Himalaja. Sie wünscht feuchten Boden im Halbschatten und blüht im August/September. Ihre zeitige Blüte und das zu dieser Zeit recht rare Himmelblau machen sie so wertvoll.

Aster thomsonii

Ligularia japonica, das Japanische Greiskraut kommt aus Ostasien und wird mannshoch. Es hat stark geschlitzte Blätter und unterscheidet sich dadurch von den anderen Dolden-Ligularien. Am ehesten ist es mit L. palmatiloba, der Palmblatt-Ligularie zu vergleichen. Im Bild als zweijähriges Exemplar ist es noch recht spillerig. Es soll 2 m hoch und breit werden. Die Gattung Ligularia ist in meinem Garten mit 10 Arten vertreten und die Sammelwut ist noch nicht erloschen, habe ich doch in Asien noch viele andere Arten gesehen, die noch auf Gartentauglichkeit zu prüfen wären. Siehe auch vorherigen Post.

Ligularia japonica

Mittwoch, 8. November 2017

Ligularien, Goldkolben

Im Oktober hatte ich ein bisschen Schreibblockade, einfach keine Lust mehr. Doch das ist nun vorbei. Nun schreibe ich hier wieder, wie und wann ich lustig bin.
Vor drei Jahren hatte ich bereits über die mir sehr am Herzen liegende Gattung Ligularia gepostet:  http://wildstauden.blogspot.de/2014/07/kerzen-ligularien-goldkolben-ligularia.html.
In Gartenbüchern und -zeitschriften findet man sehr wenig über diese imposante Gattung. Das ist auch verständlich, da die Ligularien auf Grund ihrer Größe und Blattmasse nur an einem bestimmten Standort wachsen, der möglichst feucht und schattig ist. Bei mir stehen sie mehr oder weniger am Ufer eines natürlichen Teiches. Gerade ist ein nasser Sommer zu Ende gegangen und der Sommer 2016 war sehr trocken. Welche Erfahrungen konnten gewonnen werden?
Ligularia veitchiana geht sehr souverän mit Trockenheit und Nässe um, obwohl sie von allen die größte Blattmasse hat. Sehr empfehlenswert!

Es gibt Kerzen- und Doldenligularien, 
Beide sind bei Insekten sehr beliebt.
...und bei meinen Enkeln. Man kann da wunderbar Verstecken spielen, und sie gehen davon nicht gleich kaputt, die Ligularien.
Die Froschbank, von der man Frösche beobachten kann.
Kerzenligularien in der Abendsonne
Im trocknen Sommer schlappten die L. stenocephala zuerst. L. veitchiana links dahinter waren unbeeindruckt.
L. stenocephala, links, steht fast im Wasser und es bekommt ihr nicht. Rechts daneben L. veitchiana.



Montag, 23. Oktober 2017

Oktoberzauber

Geht es Euch auch so? Im späten Herbst gehe ich immer wieder in den Garten um zu fotografieren. Als wollte ich das Ganze aufhalten oder aus Angst, weil ja alles bald vorbei ist?














Sonntag, 17. September 2017

Staudenwiesen in natura

Vor zwei Jahren beklagte ich den Verlust einer Wiese ganz nahe an unserem Dorf (http://wildstauden.blogspot.de/2015/05/unsere-wiesen.html). Kürzlich haben wir, mein Enkel war zu Besuch, hier ganz in der Nähe, etwa 2 km Luftlinie von unserem Garten, eine natürliche Wiese entdeckt, wie man sie kaum noch findet, mit allem, was man sich wünscht. Vor allem jede Menge Schmetterlinge. Ich denke mal, dass die Insekten in meinem Garten diese Distanz überfliegen können und somit ein Biotopverbund gegeben ist. Hoffentlich bleibt die Wiese noch lange von der Gülle verschont.

Mein Enkel, Timon, ist auf Nahaufnahmen spezialisiert.
Tagpfauenauge und C-Falter auf einer Minze
Wasserdost, soweit das Auge blicken kann.
Hier, wie auch im Garten ist der Wasserdost für Schmetterlinge sehr interessant.
Admiral
Zitronenfalter
Tagpfauenauge
Landkärtchen
Blutweiderich mit Biene

Schafgarbe, Wilde Möhre, Rainfarn,...
Rainfarn mit Biene




Mittwoch, 13. September 2017

Invite wildness

Unter diesem Titel zeigt Gayla Trail Wege um die Wildnis in den Garten einzuladen, veröffentlicht im kanadischen Gartenmagazin "Gardenmaking" vom Mai 2007. Sie sind zwar weitgehend bekannt, aber ich möchte sie doch nochmal sinngemäß zusammenfassen:
"Pflanzen sie Nektar- und Pollenreiche Pflanzen um Insekten anzulocken.
Nutzen sie Pflanzen aus ihrer Region, wenn sie ihrem Standort entsprechen.
Sichern sie Blütenreichtum über einen möglichst langen Zeitraum für die Insekten.
Seien sie weniger ordentlich. Lassen sie einen Haufen alter Äste liegen.
Reservieren sie einen Teil des Gartens für eine ungestörte Wiese.
Lassen sie die Pflanzen aussamen und pflanzen sie enger.
Hören sie auf, Pestizide, Herbizide und Kunstdünger zu nutzen.
Graben sie nicht um, sondern bringen sie Kompost oberflächlich ein.
Schneiden sie tote Staudenstängel nicht ab, denn Tiere können sie noch nutzen.
Bringen sie Wasser in den Garten. Ein Teich wäre gut, wenn genug Platz ist, aber auch eine Schüssel mit Wasser hilft den Tieren."

Wie sie sehen, geht es der Autorin darum, Tiere (Wildnis) in den Garten einzuladen. Ich denke aber die Wünsche des Mensch und seine Sehnsucht nach Natur, die tief in uns steckt, ist genau so wichtig für den naturalistischen Garten.





Montag, 11. September 2017

Wild-ish at heart

Unter dieser Überschrift schreibt Tony Spencer im kanadischen Gartenmagazin "Gardenmaking" vom Mai 2017 über die Grundprinzipien für den Naturalistischen Garten. Auch er bezieht sich zunächst auf William Robinson (siehe vorheriges Post) und Piet Oudolf.
"Ein Herzstück der Grundprinzipien ist die Gruppierung von Pflanzen entsprechend ihres Lebensraums (Standortes), sei es Wald, Prärie, Feuchtgebiet oder Steppe.
Der visuelle Schwerpunkt liegt eher bei Struktur und Form, denn bei der Farbe, weil die Struktur während der gesamten Vegetationsperiode besteht, während die Farbe kommt und geht.
Bevorzugt werden eher Pflanzen, die näher an der Wildart sind, mit einem wilderen Charakter und wohlproportionierten Blättern, Stängeln und Blüten, als überzüchtete Sorten. Pflanzen, die das ganze Jahr gut aussehen oder wie Oudolf sagt: "Pflanzen, die elegant sterben." Pflanzen die gut mit Stress und Wettbewerb zurechtkommen."
Das Kapitel "Designing in layers" war für mich unverständlich, deshalb lass ich es weg.
Der Autor gibt eine Reihe konkreter Hinweise, wie ein formaler Garten naturalistisch werden kann:
"Wenn sie einen naturalistischen Garten neu anlegen wollen, wählen sie ein Thema für ihren Garten nach dem sich alles Weitere richtet. Zerstören sie den existierenden Boden möglichst wenig um Unkrautsamen nicht zu wecken. Seien sie in den ersten Jahren ein guter Freund einer langstieligen Hacke um die Unkräuter zu beseitigen. Lassen sie die Pflanzen bis zum zeitigen Frühjahr stehen und entfernen sie sie mit einem Mulchmäher oder einer Motorsense. Akzeptieren sie Unordnung zumindest in einer Ecke des Gartens.
Um einen existierenden Garten Umzugestalten, können sie langsam starten. Einfacher weise verringern sie ihre Pflegeintensität. Lassen sie die Samenstände stehen, anstatt sie abzuschneiden. Pflanzen sie Pflanzen mit einem wilderen Aussehen, wie zum Beispiel Doldenblütler. Pflanzen sie Gräser und Farne. Richten sie ihre Pflanzung danach aus, wo sie am Meisten gesehen wird, aus dem Fenster heraus oder von Sitzplätzen, wo sie sich oft aufhalten. Achten sie auf den natürlichen Lichteinfall um ihre Pflanzung zu beleuchten. Platzieren sie ein oder zwei Einzelpflanzen in die Nähe einer größeren Gruppe oder Drift um den Eindruck zu erwecken, sie hätten sich ausgesät.
Wenn ihr Garten beginnt so auszusehen, als ob alles von selbst gewachsen ist, dann sind sie auf dem richtigen Weg."
 

Gräser im Garten: Deschampsia und Calamagrostis
"Wild" aussehende Pflanzen: Helenium 'Kupferziegel und Aster cordifolius "Twillight'
Scuttelaria incana umringt von Solidago 'Loysder Crown'


Donnerstag, 7. September 2017

Naturalistischer Gartenstil in Kanada

Die kanadische Gartenzeitschrift "Gardenmaking" widmete ihr Heft Nr. 30 vom Mai 2017 dem "New Natural Garden". In den Editor's note wird Thomas Rainer zitiert: "Die Front im Kampf für die Natur ist nicht im Amazonas Regenwald oder in der Wildniss Alaskas sondern in unseren Gärten."
Doch unsere Gärten sind nicht die Natur. Wir tun alles um unsere kleine Ecke der Welt immer schöner zu machen. Die Schönheit liegt in den Augen des Betrachters sagt man, d. h. Schönheit wird verschieden interpretiert; jeder hat seinen eigenen Geschmack; jeder empfindet Schönheit anders. Das stimmt so nicht ganz, denn unser Bild vom Garten, von einer Staudenpflanzung z. B., wurde über einen langen Zeitraum von der englischen Staudenrabatte geprägt. In Büchern und Zeitschriften wird diese immer wieder und immer noch als schöner Garten gezeigt. Unsere Sehgewohnheiten sind darauf fixiert und können sich nur sehr langsam ändern, wenn überhaupt.
Alexandra Rigos vermutet in ihrem sehr lesenswertem Buch "Der Naturgarten", "das es sich mit der Ästhetik naturnaher Gärten nicht anders verhält als mit zeitgenössischer Kunst: Man muss sich auf sie einlassen, sich mit ihr auseinandersetzen, um sie schön zu finden. Dabei gilt es, die eigenen Sehgewohnheiten in Frage zu stellen und offen zu sein für den Reiz des Natürlichen."

Übrigens, eine Gartenfreundin erzählte mir, dass sie eine von ihr angelegte naturnahe Blühfläche im öffentlichen Grün abmähen musste, als dieser Tage die Bundeskanzlerin unsere Gegend besuchte!?

Zurück zu Kanada und dem "New Natural Garden". Die Zeitschrift "Gardenmaking" bat drei Autoren und Gartendesigner mit Expertise für  Naturgärten um ihre Meinung. Ich möchte versuchen, einige Gedanken hier sinngemäß wiederzugeben. "Zugegeben, nichts ist neu an unserem Interesse für die natürliche Welt. Worte, wie Nachhaltigkeit, natürlich, ökologisch, Biodiversität u. a. sind dem Gartenfreund bekannt", meint Beckie Fox, die Herausgeberin von "Gardenmaking".
"Neu ist die Anzahl der Beiträge in Büchern, Workshops und Websites, die das Engagement für die Natur zwischen anscheinend chaotischen oder wilden Gärten und ästhetisch ansprechenden Bepflanzungen ausbalancieren. Was bedeutet ästhetisch ansprechend?"
In diesem Post soll die  erste Autorin, Belinda Gallagher von der Universität Guelph  zu Wort kommen. Sie fragt: "Können wir den New Natural Garden begeistert annehmen?", "Was bedeutet es für uns den New Natural Garden anzunehmen? Die Gartenfreunde sind müde, ob des täglichen Kampfs zwischen Mensch und Natur. Sie suchen einen mehr passiven Weg des Gärtnerns, einen mehr nachhaltigen und mit der Umwelt im Einklang befindlichen Weg." Belinda Gallagher gibt zu Bedenken, dass der naturalistische Stil nicht wirklich neu ist, sondern zum Teil in dem Werk von William Robinson mehr als ein Jahrhundert zuvor begründet ist. Über William Robinson schrieb ich bereits 2012 und 2015 in den Posts:
http://wildstauden.blogspot.de/2012/02/naturalistischer-gartenstil.html und http://wildstauden.blogspot.de/2015/05/unsere-wiesen.html.
"In den letzten 25 Jahren war es vor allem der holländische Gartendesigner Piet Oudolf, der mehr Natur in den Garten brachte.
Was sind die Schwierigkeiten, wenn wir diesen Stil in unseren Gärten anwenden? Die erste Schwierigkeit ist das Fehlen einer klaren Definition. Die Begriffe verschwimmen zwischen: einheimisch, naturalistisch, umweltfreundlich, biodivers und informell. Belinda Gallagher hält drei harmonische Interaktionen für wichtig: Plants to place, Plants to people und plants to other plants. Was ist damit gemeint?
Pflanzen und ihr Standort bedeutet weg vom Focus auf die einzelne Pflanze, hin zu einer Pflanzengemeinschaft, die im Garten verwirklicht werden soll, wie z. B. Wald, Feuchtgebiet, Wiese,...Städtische Gärten sind natürlich weniger geeignet.
Pflanzen und die Menschen bedeutet, ungeachtet des Wunsches für eine Wildnis muss der Garten noch als Garten zu erkennen sein. Die Gemeinden sind oft gegen die Naturgartenbewegung. (siehe oben, der Besuch der Bundeskanzlerin). Belinda Gallagher zitiert Virginia Scott Jenkins: "In unserer Gesellschaft werden die Leute in Amerika danach beurteilt, wie gepflegt ihr Rasen ist. Ist der Rasen in Ordnung, ist auch die Familie in Ordnung."
Ähnliches berichteten mir junge Besucher meines Gartens:"Gut und schön ihr naturalistischer Garten, aber in unserer Siedlung könnten wir das nicht machen. Die Nachbarn würden einen Ehekrach vermuten und das die Frau wohl ausgezogen ist?"
Belinda Gallagher meint, die Design-Antwort ist eine Umrandung der wilden Flächen durch gemähte Rasenwege, Bux- oder Lavendelhecken u. a..
Was ist die Rolle des Gärtners im naturalistischen Garten? Es ist nicht so viel zu tun, aber man sollte nicht glauben, das ein Naturgarten keiner Pflege bedarf. Auch dieser Garten muss geplant, gepflanzt und gepflegt werden und zwar besonders in den ersten Jahren.
Pflanzen und andere Pflanzen Die größte Schwierigkeit im New Natural Garden ist die Auswahl der Pflanzen. Dazu ist mehr Wissen notwendig, als auf den Schildern am Topf gegeben wird. Es ist nicht genug zu wissen welche Frosthärte, welche Licht- und Wasserbedürfnisse die Pflanzen haben. Für einen naturalistischen Garten sollte man auch wissen, wie die Wurzeln der Pflanze aussehen, die Veranlagung zum Wuchern, die genetische Vielfalt,..."

Zusammenfassend konstatiert Belinda Gallagher: "Möglicherweise das ist es was der New Garden Stil tun kann. Er kann Kontakte schließen zwischen dem Ordentlichen und dem Wilden, dem Kontrollierten und dem Verspielten, dem Farbprächtigen und den mehr gedeckten Farben."

Ich habe mal den Originaltext links abgebildet, da ich mit der Feststellung der Autorin so nicht viel anfangen kann. Möglicherweise ist meine Übersetzung fehlerhaft?

Nur "Kontakte schließen" wäre mir zu wenig!